Der nächste Sommer kommt. So wappnen wir den Pflegehaushalt.

Der Sommer 2026 war der tödlichste Hitzesommer seit Beginn der Erfassung, und er traf vor allem alte und pflegebedürftige Menschen. Was hilft, ist bekannt, bezahlbar und in der kühlen Jahreshälfte am leichtesten zu besorgen: eine Anleitung für die Zeit bis zum Sommer 2027.

Ein weißer Standventilator steht in einem hellen Wohnzimmer. Im unscharfen Hintergrund kniet eine junge Frau neben einer älteren Frau im Rollstuhl, die aus einem Glas mit Trinkhalm trinkt.

Auf einen Blick

  • Was war: Rund 16.300 hitzebedingte Todesfälle bis Ende August, so viele wie nie seit 1992. Drei Viertel davon Menschen über 75.
  • Was hilft: Dasselbe wie bei allen anderen: trinken, kühlen, Schatten. Nur muss jede Maßnahme für einen eingeschränkten Menschen einen Handgriff oder ein gesprochenes Wort entfernt sein.
  • Wann: Die Anträge bei der Pflegekasse jetzt, weil sie Monate dauern. Alles andere in Ruhe über Herbst und Winter, wenn Geräte lieferbar und günstig sind.
  • Womit: Trinkflaschen mit Schlauch. Ventilator und Klimaanlage per Stimme. Rollläden, die von selbst fahren. Und ein Netz aus Menschen, das die Technik ergänzt. Direkt zur Checkliste.

Ein Sommer, den man nicht vergisst

Das Robert Koch-Institut schätzt für den Zeitraum bis Ende August rund 16.300 hitzebedingte Todesfälle in Deutschland, mehr als in jedem Jahr seit Beginn der Erfassung 1992. Die bisherigen Höchstwerte lagen bei 10.200 in den Sommern 1994 und 2003.

Wer gestorben ist, überrascht niemanden, der pflegt: Drei Viertel waren älter als 75. Und das RKI hält seine Zahl für konservativ, weil Hitze selten auf dem Totenschein steht. Meist gibt die Kombination aus Hitze und einer Vorerkrankung den Ausschlag.

Hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland

1992: 3.100 hitzebedingte Sterbefälle1993: 100 hitzebedingte Sterbefälle1994: 10.200 hitzebedingte Sterbefälle1995: 2.900 hitzebedingte Sterbefälle1996: 160 hitzebedingte Sterbefälle1997: 1.920 hitzebedingte Sterbefälle1998: 900 hitzebedingte Sterbefälle1999: 880 hitzebedingte Sterbefälle2000: 420 hitzebedingte Sterbefälle2001: 2.300 hitzebedingte Sterbefälle2002: 1.290 hitzebedingte Sterbefälle2003: 10.200 hitzebedingte Sterbefälle2004: 1.350 hitzebedingte Sterbefälle2005: 1.660 hitzebedingte Sterbefälle2006: 7.700 hitzebedingte Sterbefälle2007: 520 hitzebedingte Sterbefälle2008: 1.220 hitzebedingte Sterbefälle2009: 730 hitzebedingte Sterbefälle2010: 4.090 hitzebedingte Sterbefälle2011: 230 hitzebedingte Sterbefälle2012: 1.200 hitzebedingte Sterbefälle2013: 3.500 hitzebedingte Sterbefälle2014: 1.400 hitzebedingte Sterbefälle2015: 7.000 hitzebedingte Sterbefälle2016: 1.600 hitzebedingte Sterbefälle2017: 1.400 hitzebedingte Sterbefälle2018: 8.500 hitzebedingte Sterbefälle2019: 6.800 hitzebedingte Sterbefälle2020: 3.700 hitzebedingte Sterbefälle2021: 1.700 hitzebedingte Sterbefälle2022: 4.500 hitzebedingte Sterbefälle2023: 3.100 hitzebedingte Sterbefälle2024: 2.800 hitzebedingte Sterbefälle2025: 2.500 hitzebedingte Sterbefälle (vorläufig, bis KW 34)2026: 16.300 hitzebedingte Sterbefälle (vorläufig, bis KW 34)5.00015.000Bisheriger Höchstwert: 10.200 (1994 und 2003)199520002005201020152020202616.3001992: 3.100 hitzebedingte Sterbefälle1993: 100 hitzebedingte Sterbefälle1994: 10.200 hitzebedingte Sterbefälle1995: 2.900 hitzebedingte Sterbefälle1996: 160 hitzebedingte Sterbefälle1997: 1.920 hitzebedingte Sterbefälle1998: 900 hitzebedingte Sterbefälle1999: 880 hitzebedingte Sterbefälle2000: 420 hitzebedingte Sterbefälle2001: 2.300 hitzebedingte Sterbefälle2002: 1.290 hitzebedingte Sterbefälle2003: 10.200 hitzebedingte Sterbefälle2004: 1.350 hitzebedingte Sterbefälle2005: 1.660 hitzebedingte Sterbefälle2006: 7.700 hitzebedingte Sterbefälle2007: 520 hitzebedingte Sterbefälle2008: 1.220 hitzebedingte Sterbefälle2009: 730 hitzebedingte Sterbefälle2010: 4.090 hitzebedingte Sterbefälle2011: 230 hitzebedingte Sterbefälle2012: 1.200 hitzebedingte Sterbefälle2013: 3.500 hitzebedingte Sterbefälle2014: 1.400 hitzebedingte Sterbefälle2015: 7.000 hitzebedingte Sterbefälle2016: 1.600 hitzebedingte Sterbefälle2017: 1.400 hitzebedingte Sterbefälle2018: 8.500 hitzebedingte Sterbefälle2019: 6.800 hitzebedingte Sterbefälle2020: 3.700 hitzebedingte Sterbefälle2021: 1.700 hitzebedingte Sterbefälle2022: 4.500 hitzebedingte Sterbefälle2023: 3.100 hitzebedingte Sterbefälle2024: 2.800 hitzebedingte Sterbefälle2025: 2.500 hitzebedingte Sterbefälle (vorläufig, bis KW 34)2026: 16.300 hitzebedingte Sterbefälle (vorläufig, bis KW 34)5.00015.000Höchstwert bis 2026: 10.200199520052015202616.300
2026 starben mehr Menschen an Hitze als in jedem Jahr seit Beginn der Erfassung 1992.
Herkunft der Zahlen

Zahlen: Robert Koch-Institut. Die Jahreswerte 1992 bis 2024 stammen aus dem Anhang zum Epidemiologischen Bulletin 19/2025 (CC BY 4.0), die Werte für 2025 und 2026 aus den Wochenberichten zur hitzebedingten Mortalität und reichen jeweils bis Kalenderwoche 34; sie sind damit vorläufig. Die Altersgruppen weist das RKI nur für den laufenden Sommer aus, deshalb zeigt die zweite Ansicht allein 2026. Alle Werte sind Modellschätzungen und gerundet.

Wir haben das aus der Nähe gesehen. Meine Mutter musste in diesem Sommer wegen der Hitze ins Krankenhaus. Und wir sind ein Haushalt, der vorbereitet war. Dachte ich.

Wer so einen Sommer erlebt hat, kennt das Gefühl danach: Man kann nichts gegen das Wetter tun, und beim nächsten Mal wird es nicht besser. Der DWD sagt in einer Attributionsstudie, die Hitzewelle Ende Juni wäre ohne Klimawandel statistisch unmöglich gewesen. Das heißt: Sie kommt wieder.

Gegen das Wetter kann man wirklich nichts tun. Aber man kann sich vorbereiten, und dafür ist der beste Zeitpunkt jetzt , wo niemand schwitzt, alles lieferbar ist und ein ganzer Herbst, Winter und Frühling vor uns liegen, um Dinge zu beantragen, zu besorgen und einzuüben. Darum geht es in diesem Artikel: nicht um den Sommer, der war, sondern um den, der kommt.

Ein Wort vorweg: Das hier sind Learnings und Taktiken aus einem Haushalt, in dem ein pflegebedürftiger Mensch zu Hause lebt, allein oder mit Angehörigen, die nicht rund um die Uhr da sind. Für Pflegeheime gelten andere Regeln und andere Verantwortlichkeiten.

Pflegebedürftige brauchen nichts Anderes. Nur anders.

Die Hitzeratschläge kennt jeder: viel trinken, die Wohnung kühl halten, morgens lüften, tagsüber verschatten, nicht in die Sonne. Sie stimmen alle, und sie stimmen auch für pflegebedürftige Menschen. Die Bedürfnisse sind gar nicht so anders. Nur die Wege dorthin haben Schwellen, die gesunde Menschen nicht sehen.

Wenn mir zu warm ist, stelle ich mich unter die kalte Dusche. Wer beim Duschen Hilfe braucht, wartet, bis die Hilfe da ist. Und für manchen Kreislauf ist eine kalte Dusche ohnehin zu viel. „Viel trinken” ist ein guter Rat, bis die Flasche am anderen Ende des Zimmers steht, die Hand zu steif ist, um sie zu öffnen, oder die Tasse plötzlich zu schwer, weil die Hitze schon an den Kräften zehrt. Dazu kommt, dass ältere Menschen weniger schwitzen und weniger Durst verspüren. Der Körper meldet den Mangel nicht, und der Weg zur Flasche ist zu weit.

Die Arbeit im Pflegehaushalt besteht also nicht darin, neue Taktiken zu erfinden. Sie besteht darin, die Schwellen vor den bekannten abzubauen, bis jede Maßnahme so nah an den Möglichkeiten der Person ist, dass sie sie selbst ausführen kann. Einen Handgriff entfernt. Oder ein Wort . Wer den Alexa-Artikel gelesen hat, kennt den Gedanken.

Was alle brauchenWas im Pflegehaushalt davorstehtEinen Handgriff oder ein Wort entferntTrinkenFlasche außer ReichweiteDie Hand ist zu steif zum Öffnen,die Tasse zu schwer.Schlauch am BettBeißventil am Mund, mehrereFlaschen taktisch verteilt.KühlenSchalter in der EckeNachts um zwei kommt niemandaus dem Bett.Ein Wort genügtSmarte Steckdose am Ventilator,IR-Hub an der Klimaanlage.SchattenRollläden brauchen KraftUnd festen Stand am Fenster,zweimal am Tag.Zeitplan und SensorDer Rollladen fährt, bevor dieSonne im Zimmer ist.TrinkenFlasche außer ReichweiteDie Hand ist zu steif zum Öffnen, dieTasse zu schwer.Schlauch am BettBeißventil am Mund, mehrereFlaschen taktisch verteilt.KühlenSchalter in der EckeNachts um zwei kommt niemand ausdem Bett.Ein Wort genügtSmarte Steckdose am Ventilator,IR-Hub an der Klimaanlage.SchattenRollläden brauchen KraftUnd festen Stand am Fenster,zweimal am Tag.Zeitplan und SensorDer Rollladen fährt, bevor die Sonneim Zimmer ist.
Dieselben drei Maßnahmen wie bei allen anderen. Im Pflegehaushalt steht nur jeweils eine Schwelle davor, und die lässt sich abbauen.

Bevor es an die Geräte geht, sind aber zwei Dinge zu klären, die keine Technik ersetzt.

Vorher klären: Gespräch und Kosten

Das Gespräch

Die meisten Menschen, die heute gepflegt werden, kommen aus einer Zeit, in der Hitze kein Thema war. Vor dreißig, vierzig Jahren gab es solche Sommer nicht, und man selbst war jung genug, um einen heißen Tag wegzustecken. Daraus ist eine Haltung geworden: Man hält das aus. Ventilator? Dann zieht es ja. Klimaanlage? Was für Büros. Rollläden runter am Tag? Dann sitzt man ja im Dunkeln.

Diese Haltung ist keine Sturheit, sondern Erfahrung, die stimmte. Deshalb hilft es nicht, sie zu übergehen. Es hilft, sie ernst zu nehmen: Was war früher anders? Was ist diesen Sommer passiert? Was würde helfen, ohne dass es sich nach Krankenhaus anfühlt? Das ist ein Gespräch auf Augenhöhe, und man führt es am besten in der kühlen Jahreszeit, wenn niemand schwitzt und die Vernunft mitredet, nicht in der ersten Hitzenacht, wenn beide gereizt sind.

Eine ältere Frau im Rollstuhl und eine jüngere Frau sitzen einander an einem Esstisch gegenüber und sprechen miteinander. Auf dem Tisch stehen zwei Gläser Tee, eine Schale Orangen und ein Notizblock; vor dem Fenster stehen kahle Bäume.

Der Grund, warum das Gespräch vor der Technik kommt, ist einfach: Ein Hilfsmittel, das nicht gewollt ist, wird nicht benutzt. Der Ventilator bleibt im Karton, die Klimaanlage bleibt aus, „wegen der Stromkosten”. Nur was gemeinsam entschieden wurde, läuft auch, wenn niemand hinschaut.

Die Kosten

Der Elefant im Raum: das Geld . Ein guter Ventilator ist bezahlbar, eine Klimaanlage nicht unbedingt, motorisierte Rollläden für mehrere Fenster schon gar nicht. Und pflegebedürftige Menschen sind nicht für tiefe Taschen bekannt. Drei Wege, damit umzugehen.

Bei der Pflegekasse beantragen. Der Hebel heißt wohnumfeldverbessernde Maßnahmen nach § 40 Abs. 4 SGB XI: Wer einen Pflegegrad hat, kann bis zu 4.180 Euro Zuschuss für Anpassungen bekommen, die die häusliche Pflege erleichtern oder eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen.

Lange haben die Kassen Klimaanlagen als Komfort abgelehnt. 2025 hat das Sozialgericht Mainz anders entschieden (Az. S 9 P 76/23), bei einer Frau mit gestörter Thermoregulation und deutlich erhöhtem Hitzerisiko. Die Linie seitdem: Die Kasse muss zahlen, wenn die Maßnahme auf die konkrete Krankheitssituation zugeschnitten ist, etwa bei Herz-Kreislauf-, Lungen- oder neurologischen Erkrankungen, bei denen Hitze nachweislich zu Verschlechterungen führt, und mildere Mittel nicht reichen. Auch motorisierte Rollläden und Verschattung fallen darunter.

Wichtig: Der Antrag muss vor dem Kauf gestellt werden, und der Betrag gilt pro Maßnahme. Klimaanlage, Rollläden und Sprachsteuerung also als eine Maßnahme „Hitzeschutz” beantragen, mit dem Arztbrief aus diesem Sommer als Begründung. Hilfe beim Antrag und beim Widerspruch gibt es kostenlos bei Pflegestützpunkten und Sozialverbänden.

bis zu 4.180 Euro§ 40 Abs. 4 SGB XIpro Maßnahme, nicht pro Gerät1ArztbriefbesorgenWas die Hitzeangerichtet hat,schriftlich.2Alles bündelnKlimaanlage,Rollläden undStimme zusammen.3Antrag vor demKaufDanach zahlt dieKasse nicht mehr.4BescheidabwartenDas dauert Monate.Deshalb jetzt.falls abgelehntWiderspruch einlegenPflegestützpunkte und Sozialverbände helfen kostenlos dabei.bis zu 4.180 Euro§ 40 Abs. 4 SGB XIpro Maßnahme, nicht pro Gerät1Arztbrief besorgenWas die Hitze angerichtet hat, schriftlich.2Alles bündelnKlimaanlage, Rollläden und Stimmezusammen.3Antrag vor dem KaufDanach zahlt die Kasse nicht mehr.4Bescheid abwartenDas dauert Monate. Deshalb jetzt.falls abgelehntWiderspruch einlegenPflegestützpunkte und Sozialverbändehelfen kostenlos dabei.
Der Weg zum Zuschuss. Der Antrag ist das Einzige in diesem Artikel, das am besten so schnell wie möglich angegangen werden sollte.

Wer regelmäßig mit Kassen zu tun hat, weiß aber auch: Dieser Weg dauert, er ist anstrengend, und manchmal trägt er keine Früchte. Genau deshalb ist er das Einzige in diesem Artikel, das wirklich jetzt angegangen werden muss. Kommt ein Ja, ist die Anlage im Frühjahr drin. Kommt ein Nein, bleibt genug Zeit für Plan B.

Selbst kaufen, aber klug. 2026 hat gezeigt, wie sich Kühlgeräte im Sommer verhalten: guenstiger.de meldete von Mai bis Juli einen Nachfrageanstieg von 511 Prozent bei Ventilatoren, der Durchschnittspreis stieg von 332 Euro im Juni auf 434 im Juli, auch weil die günstigen Modelle zuerst weg sind. Mitte Juli meldete der Handelsverband BVT, Ventilatoren und Klimaanlagen seien weitestgehend ausverkauft. Wer im Herbst und Winter kauft, hat Auswahl und zahlt weniger.

Was zwei Kühlgeräte über das Jahr kosteten

Dyson AM07TurmventilatorTiefstpreis 224 €Dyson AM07499 € am 7.7.100300500Bosch Cool 4000Mobile KlimaanlageTiefstpreis 374 €Bosch Cool 40002.195 € am 10.8.OktNovDezJan 26FebMärAprMaiJunJulAugSep8001.6002.400Dyson AM07TurmventilatorTiefstpreis 224 €Dyson AM07499 € am 7.7.100300500Bosch Cool 4000Mobile KlimaanlageTiefstpreis 374 €Bosch Cool 40002.195 € am 10.8.OktJan 26AprJul8001.6002.400
Der Dyson lag im Mai bei 225 Euro und Anfang Juli bei 499. Der Bosch kostete im Dezember 396 Euro und am 10. August 2.195.
Herkunft der Zahlen

Preise: Geizhals Deutschland, Tagesbestpreis über alle gelisteten Händler vom 4. September 2025 bis 3. September 2026, abgerufen am 4. September 2026. Reißt die Linie ab, gab es an dem Tag kein Angebot. UVP nach Herstellerangabe (Dyson laut PC-WELT, Bosch laut bosch-homecomfort.com). Hitzeperioden nach dem Deutschen Wetterdienst. Ausgewählt je Klasse ein verbreitetes Gerät aus den meistgekauften Modellen bei Amazon und Geizhals.

Dazu: gebraucht kaufen, denn Klimaanlagen und Ventilatoren werden nach jedem Sommer massenhaft abgestoßen. Die Kosten über die Monate verteilen, statt sie auf einmal zu stemmen. Und wenn Weihnachten und Geburtstage ohnehin anstehen: Ein Ventilator, der aufs Wort hört, ist ein besseres Geschenk als der dritte Schal.

Und ja, es bleibt ein Ärgernis. Dass Familien den Hitzeschutz ihrer Angehörigen über Sozialgerichte und Weihnachtsgeschenke organisieren müssen, während das RKI Jahr für Jahr Tausende Tote zählt, ist eine politische Entscheidung. Über 150 Organisationen aus Gesundheit und Pflege haben in diesem Sommer gefordert, Hitzeschutz verbindlich in die Krisenvorsorge aufzunehmen. Bis das passiert, bleibt es an uns.

Gewöhnliche Lösungen, passend gemacht

Drei Maßnahmen, die jeder kennt: trinken, kühlen, Schatten. Hier geht es darum, wie sie im Pflegehaushalt einen Handgriff oder ein Wort entfernt sind.

Trinken: Wasser einen Handgriff entfernt

Hydriert bleiben ist der wichtigste Punkt, und er ist am leichtesten zu lösen.

Meine Mutter hat zwei Flaschen , die genau dafür gebaut sind. Nachts The Hydrant, ursprünglich für britische Krankenhäuser entwickelt: eine Flasche mit Griff fürs Bettgitter und einem Schlauch mit Beißventil, der neben dem Kopf liegt. Tagsüber die Giraffe Bottle Tower XL: eine isolierte Edelstahlflasche mit langem, biegsamem Hals, den man sich bis vor den Mund biegt. Zähne zusammen, trinken, loslassen, dicht. Mit Halterung sitzt sie am Rollstuhl oder am Bett.

Das sind ein bis zwei Liter Wasser, die nicht mehr gegriffen, gehoben, geöffnet und abgestellt werden müssen. Der Aufwand für einen Schluck ist null. Und genau deshalb wird getrunken.

Die Taktik dahinter, in drei Stufen:

  1. Flaschen isoliert und mit Schwanenhals oder Schlauch, damit das Wasser kühl bleibt und nichts gehoben werden muss.
  2. Mehrere davon, taktisch verteilt: am Bett, am Sessel, am Esstisch, im Bad, und eine am Rollstuhl, die mitfährt. Das BIÖG empfiehlt genau das: Getränke an mehreren Stellen der Wohnung bereitstellen.
  3. Wasser essen. Melone, Gurke, Tomaten, kalte Suppen, Joghurt: Mahlzeiten mit hohem Wasseranteil, klein und mehrmals am Tag statt einmal groß. Wer wenig trinkt, trinkt so trotzdem.

Wer nicht vor Ort ist, fragt nach: „Wie viel hast du heute schon getrunken?” Der Anruf per Echo ist dafür der kürzeste Weg.

Kühlen: Ventilator und Klimaanlage per Stimme

Das Gerät zu haben ist die eine Sache. Es bedienen zu können die andere. Wer nicht aus dem Bett oder dem Rollstuhl kommt, kann den Ventilator in der Ecke nicht anschalten und nachts um zwei auch nicht wieder aus. Die niederschwelligste Bedienung, die ich kenne, ist die eigene Stimme: nichts erreichen, nichts drücken. Drei Wege dorthin, vom bequemsten zum günstigsten.

Ich rede hier von Alexa, weil das das System ist, für das wir uns vor Jahren entschieden haben und mit dem ich mich auskenne. Alles hier geht auch mit Google Home oder Apple Home, aber meine Erfahrung liegt bei Alexa.

Option 1: Smart ab Werk. Ventilatoren und Klimaanlagen mit eingebauter App- und Sprachsteuerung . Komfortabel, keine Bastelei, Stufen und Temperatur direkt per Stimme. Der Preis ist der Haken: Smarte Klimaanlagen werden schnell vierstellig.

Option 2: Smarte Steckdose für den Ventilator. Ein Echo Dot kostet wenig, eine smarte Steckdose noch weniger. Ventilator einstecken, Steckdose in der App benennen, fertig: „Alexa, Ventilator an.” Ein Detail entscheidet, ob das funktioniert: Der Ventilator braucht einen mechanischen Drehschalter, kein digitales Tastenfeld. Digitale Geräte starten nach einer Stromunterbrechung im Standardmodus, meist zu stark oder gar nicht. Ein Drehrad bleibt, wo man es hingedreht hat: Stufe 1 einstellen, Strom an, er läuft auf Stufe 1. Strom aus, er ist aus.

Option 3: Die Fernbedienung ersetzen. Klimaanlagen lassen sich nicht über Strom an, Strom aus steuern, aber fast alle haben eine Infrarot-Fernbedienung. Ein IR-Hub wie der SwitchBot Hub Mini lernt deren Signale und verbindet sich mit Alexa, Google oder Siri. Er braucht Sichtkontakt, und Infrarot hat keinen Rückkanal: Der Hub weiß nicht, ob die Anlage läuft. Für „Klimaanlage aus” reicht das, manchmal muss man den Befehl wiederholen. Wer eine Automatik plant, nimmt gleich das größere Modell: Es misst Temperatur und Luftfeuchtigkeit und liefert den Wert, auf den sich eine Regel wie „ab 26 Grad” beziehen kann.

Schatten: die Hitze vor dem Fenster abfangen

Der unterschätzte Teil. Ein Raum, in den die Sonne nicht hineinkommt, muss gar nicht erst gekühlt werden. Die Regel: Was die Sonne vor der Scheibe stoppt, wirkt. Was sie dahinter stoppt, dunkelt nur ab. Außenliegender Sonnenschutz kann bis zu 75 Prozent des Wärmeeintrags abfangen; innenliegende Vorhänge und Plissees lassen die Wärme durch die Scheibe und verteilen sie im Raum. Rollläden tagsüber runter, einen Spalt offen gegen den Hitzestau; gelüftet wird nachts und früh morgens. Zwei Ausgangslagen.

Option 1: Keine Rollläden vorhanden. Dann geht es darum, trotzdem etwas vor die Scheibe zu bekommen, in drei Stufen. Eine Sonnenschutzfolie außen auf dem Glas ist laut Öko-Test die wirksamste Maßnahme ohne Umbau und für Mieter oft die einzige; sie dunkelt allerdings den ganzen Tag und bringt weniger als ein Laden. Ein Außenrollo zum Klemmen wird ohne Bohren außen am Fensterflügel montiert und lässt sich hoch- und runterziehen, von Hand. Wer Eigentum hat oder einen Vermieter, der mitmacht: Vorbaurollläden nachrüsten, die dauerhaft beste Lösung und genau das, wofür der Pflegekassen-Antrag gedacht ist. Bis dahin, in der akuten Hitzewelle: Rettungsdecke außen ans Fenster. Sieht nicht gut aus. Funktioniert.

Option 2: Rollläden vorhanden, dann fahren sie von selbst. Das ist unser Weg. Die Wohnung meiner Mutter hatte normale Rollläden mit Gurt, die sie nicht selbst hochziehen kann. Wir haben sie mit dem RolloTron-System von Homepilot nachgerüstet: Der elektrische Gurtwickler ersetzt den alten, der Gurt bleibt, kein Elektriker nötig. Heute würde ich direkt das Gateway und die RolloTron pure smart nehmen, Hauptsache App und Sprachassistent.

Dann greifen drei Dinge ineinander: Meine Mutter sagt „Alexa, Rollladen runter” , wenn sie es will. Ein Zeitplan fährt die Läden im Sommer vormittags herunter und abends hoch. Ein Sonnensensor am Fenster lässt sie bei starker Einstrahlung auf eine festgelegte Position fahren. Die Hitze bleibt draußen, ohne dass jemand daran denken muss. Kostenpunkt: rund 130 Euro pro Fenster für den Gurtwickler, einmalig das Gateway, der Sonnensensor unter 20 Euro. Nicht billig, aber genau das, was die Pflegekasse unter „selbstständigere Lebensführung” versteht.

Darüber hinaus

Technik senkt Schwellen. Sie ersetzt niemanden, und sie darf niemanden entmündigen. Zwei Dinge gehören deshalb genauso in die Zeit vor dem nächsten Sommer wie die Geräte.

Soziales Sicherheitsnetz

Drei Absprachen , und keine davon muss diese Woche passieren.

Mit den Ärztinnen und Ärzten. Blutdrucksenker, Diuretika, Betablocker und Beruhigungsmittel verändern bei Hitze ihre Wirkung. Das BIÖG rät, vor der nächsten Hitzeperiode mit Arzt oder Apotheke zu klären, ob Dosis oder Einnahmezeit angepasst werden müssen, und nie eigenmächtig abzusetzen.

Und, aus unserer Erfahrung die wichtigste Absprache: Was tun wir, wenn zu wenig getrunken wird? Hitze tötet selten direkt. Sie entzieht Wasser, und der Mangel löst bei Grunderkrankungen Dinge aus, die scheinbar nichts mit Hitze zu tun haben: Infekte, Kreislaufeinbrüche, Verwirrtheit. Eine Infusion beim Hausbesuch ist ein kleiner Eingriff, der Krankenhausaufenthalt nach zu langem Warten ein großer. Diese Schwelle, „ich will nicht übertreiben, ich ruf noch nicht an”, ist die teuerste im ganzen Sommer. Sie abzubauen heißt, vorher zu vereinbaren: Bei diesen Zeichen rufen wir an, ohne Diskussion.

Eine Pflegekraft besucht eine ältere Person zu Hause.

Mit dem Pflegedienst. Wenn einer kommt: In Hitzephasen Besuchszeiten anpassen, Trinkmenge dokumentieren, Warnzeichen kennen.

Mit Familie, Nachbarn, Freunden. In Hitzephasen häufiger anrufen und häufiger vorbeischauen, im besten Fall mit festem Plan, wer wann. Und die Hitzewarnung des DWD abonnieren: Sie kommt ab einer gefühlten Temperatur von 32 Grad, zwei Tage voraus. Zwei Tage reichen, um das Netz zu aktivieren.

Automatisieren, aber mit Reißleine

Sobald Rollläden, Ventilator und Klimaanlage am Smart Home hängen, liegt es nahe, alles zu automatisieren: Ab 26 Grad geht die Anlage an, ab einer bestimmten Helligkeit fahren die Läden runter. Das ist gut, und wir machen es auch. Aber nur halb.

Das Temperaturempfinden eines geschwächten Menschen ist nicht linear. Die erste Kühle, wenn die Anlage anspringt, ist eine Erleichterung. Nach einer Stunde Dauerlauf ist sie unangenehm, manchmal richtig kalt. Und dann hat man mit der Automatik genau den Zustand geschaffen, den man vermeiden wollte: Die Person entscheidet nicht mehr über ihre Umgebung. Sie ist ihr ausgeliefert, diesmal der Kälte. Dasselbe mit Rollläden , die um elf Uhr herunterfahren, während sie gerade lesen will.

Deshalb: Jede Automatik braucht eine Reißleine , die die Person selbst ziehen kann. Bei uns ist sie so einfach wie möglich: „Alexa, Klimaanlage aus.” Und sie ist aus. Kein Menü, keine App, keine Nachfrage. Dasselbe für die Rollläden. Die Automatik darf vorschlagen und erleichtern. Entscheiden muss der Mensch im Raum. Autonomie ist kein Luxus, sie ist der Grund, warum das alles zu Hause stattfindet und nicht im Heim.

Checkliste

Alles aus diesem Artikel als Liste, sortiert nach dem Zeitpunkt, an dem es dran ist. Der Antrag zuerst, weil er am längsten braucht; der Rest, wenn er dran ist.

Jetzt, weil es dauert

  • Das Gespräch geführt: Was war diesen Sommer los, was machen wir anders?
  • Antrag auf wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bei der Pflegekasse gestellt, mit Arztbrief, vor dem Kauf

Bis zum Sommer, in Ruhe

  • Medikamentenliste mit Arzt oder Apotheke auf Hitzetauglichkeit durchgegangen
  • Absprache mit der Hausärztin: Bei welchen Zeichen rufen wir an, und geht ein Hausbesuch mit Infusion?
  • DWD-Hitzewarnung abonniert
  • Trinkflaschen mit Schlauch oder Schwanenhals, eine pro Aufenthaltsort, eine am Rollstuhl
  • Ventilator mit Drehschalter und smarter Steckdose, Sprachbefehl geübt
  • Bei Klimaanlage: IR-Hub angelernt, „an” und „aus” per Stimme getestet
  • Rollläden: Zeitplan, Sonnensensor und Sprachbefehl eingerichtet, oder Folie, Außenrollo, Vorhang montiert
  • Jede Automatik hat eine Reißleine per Stimme
  • Sprühflasche, feuchte Tücher, Kühl-Wärmflasche griffbereit; Medikamente unter 25 Grad gelagert

Wenn die Warnung kommt

  • Alle Systeme einmal durchgetestet: Stimme, Steckdose, Läden
  • Netz aktiviert: Wer ruft wann an, wer schaut vorbei
  • Pflegedienst informiert, Trinkmenge im Blick
  • Bei Schwindel, Schwäche, Verwirrtheit oder schnellem Puls: kühlster Raum, trinken, Arzt anrufen. Bei Bewusstseinstrübung: 112.

Fazit

Der Sommer 2026 hat gezeigt, wie verletzlich ein Pflegehaushalt bei Hitze ist. Er hat aber auch gezeigt, was hilft. Das meiste davon gibt es schon, es muss nicht kompliziert sein und ist mit etwas Glück und Geschick auch nicht unbezahlbar. Es ist dasselbe, was allen hilft, nur so gebaut, dass ein Mensch mit wenig Kraft und wenig Reichweite es selbst tun kann: Der Schluck Wasser ist einen Handgriff entfernt. Der Ventilator hört aufs Wort. Der Rollladen fährt, bevor die Sonne im Zimmer ist. Und der Anruf beim Arzt kommt eine Stunde zu früh statt einen Tag zu spät.

Nichts davon lässt sich im Juni erledigen. Alles davon in den Monaten bis dahin, ohne Hektik, ein Stück nach dem anderen. Der Antrag zuerst, weil er am längsten braucht. Der Rest, wenn er dran ist. Und wer so in den Sommer 2027 geht, geht nicht mit Angst hinein, sondern mit einem Plan.